Burg Volmarstein

Die Burg ist seit Jahrhunderten eine Ruine, die aber auch in ihren Trümmern und Resten noch die Kraft und Größe ahnen läßt, die sie einst besaß. Seit dem 16. und besonders seit dem 19. Jahrhundert fortschreitendem Verfall oder absichtlicher Zerstörung ausgesetzt, verfiel sie derartig, daß von den auf Bildern des 17. und 18. Jahrhunderts noch vorhandenen drei Türmen um 1910 nur noch einer bestand. J. D. von Steinen sagt 1757, es seien noch Reste von zwei alten verfallenen Türmen vorhanden, einem rundem und einem ,,vierekichten" , auch sei noch einiges Mauerwerk übrig, alles andere von den Festungswerken weggebrochen. Die letzten Reste verschwanden nach 1870 unter dem darauf errichteten Kriegerdenkmal. Erst die 1910 begonnenen Ausgrabungen haben neben dem einen noch bestehenden Turm auch die beiden anderen, darunter den viereckigen Bergfried auf dem höchsten Punkt der Burg, wieder ans Tageslicht gebracht.

Diese Arbeiten verfolgten aber auch den Zweck, die Ruine in ihrem jetzigen Bestande zu erhalten. Die Ruine liegt auf einem nach Osten und Westen steil abfallenden, nach Nord und Süd nur schwer ersteigbaren und daher leicht zu befestigenden Höhenrücken. In ihren besten Zeiten muß die Burg einer kleinen Festung geglichen haben. Darauf deuten auch die an manchen Stellen bis tief ins Tal hinabreichenden Mauerreste, worüber im einzelnen wohl viel mehr zu sagen wäre, wenn der Krieg nicht 1914 die Arbeiten an der Burgruine unterbrochen und die Entwicklung der Dinge weitere Ausgrabungen unmöglich gemacht hätte. Die Burgruine liegt mehr als 100 Meter über dem Spiegel der Ruhr. Der obere Teil, die Hauptburg, war einst durch mächtige Vorburgen nach Nord und Süd geschützt. Der nach Norden gelegene Teil wird heute noch "am Zwinger" genannt, während der gegenüberliegende "am Vorberge" heißt. Hier, wo auch heute noch die Häuser dicht gedrängt stehen, befanden sich ohne Zweifel einst die Wohnungen der Burgmannen, also die Garnison. Von hier gelangt man über eine weitere Stufe, vielleicht den ehemaligen Platz für die Gärten der Burg, zur Hauptburg. Diese selbst mißt in der Länge etwa 100 Meter, in der Breite 80, die nördliche Vorburg ist wohl 150 Meter, die südliche 100 und der ganze Rücken ungefähr 350 Meter lang.

Dem Bericht des Ausschusses für die Erhaltung der Burgruine aus dem Jahre 1911 entnehmen wir, daß der Hauptturm im Grundriß 11,70 m lang und 11,20 m breit ist bei einer Mauerstärke von 3,20 m. An der Westseite des Ostturmes scheinen Ansätze von Mauerwerk darauf hinzuweisen, daß sich hier ein Torhaus oder eine Toranlage befand. Unterhalb der nördlichen, jetzt noch zum Teil erhaltenen Umfassungsmauer wurden 1910 ältere Mauerreste von 2,90 m Dicke freigelegt. Dort befand sich auch ein mit Sandsteinplatten belegter Fußboden (siehe Bild "Reste eines Burghauses"). "Das untere Mauerwerk verläuft in einer anderen Richtung. Es könnte sich um die Überreste der im Jahre 1288 zerstörten Anlage handeln, während die obere Burgmauer mit dem Nordostturm der zweiten, im Jahre 1324 zerstörten Anlage angehört". Auf dem wiederentdeckten Fundament des Bergfrieds, das man außen bis zur Höhe der noch vorhanden gewesenen inneren Mauerreste wieder aufmauerte, wurde 1910 eine Aussichts- plattform angelegt. Eine zusätzliche Abdachung hielt sich nur wenige Jahre. Bis 1958 hatten Witterungseinflüsse einen großen Teil der Plattform zerstört.

Inzwischen ist ein neuer Turmstumpf aufgemauert worden. Dazu sind u.a. auch Bruchsteine der alten Nettmannschen Scheune verwendet worden, die hinwiederum höchstwahrscheinlich vor Jahrhunderten

 

Und wie in diesen fast unverwüstlichen Sandsteinen, so wird auch in den Kriegerdenkmalen des Schloßberges die Geschichte in ihren Höhen und Tiefen lebendig. Die Chronisten erzählen, wie im 19. Jahrhundert auf der Höhe des Burgplateaus die Fackeln aufflammten zu den vaterländischen Feiern des Bürgertums und der Schuljugend. Auf dem Schuttkegel des Bergfrieds weihte man, wie schon erwähnt, den Gefallenen des deutsch-französischen Krieges ein Denkmal, das, vom Blitz getroffen, nach der Restaurierung des Turmsockels im Burghof einen neuen Platz fand. Unterhalb der sogenannten ,,Schildwacht" gelegen, trägt die südliche Vorburg seit 1927 das Ehrenmal für die Gefallenen des 1 .Weltkrieges. Ihm zur Seite steht seit 1959, aus heimischem Stein aufgeführt, die Gedenkstätte für die Opfer des 2. Weltkrieges.

Die Burg Volmarstein stammt aus der ersten Zeit des Steinbaues der Burgen und hat dann wohl bis ins 16. Jahrhundert hinein bestanden, wo mit der Umwandlung auf militärischem Gebiete durch Vervollkommnung der Feuerwaffen die Burgen ihre Bedeutung verloren. Nur selten wurden Burgen so gründlich zerstört, daß an einen Wiederaufbau nicht zu denken war, und wenn es so weit kam, dann nutzte man das übrig bleibende Material für andere Bauten, weil es sehr kostbar war, oder es wurden die halb zerstörten Burgen rasch wieder aufgebaut, um sie ihrem alten Zwecke dienstbar zu erhalten. So ist auch wohl Volmarstein nicht eigentlich das Opfer einer militärischen Zerstörung, sondern eines allmählichen Verfalles nach dem im 14. Jahrhundert erfolgten Wiederaufbau geworden.


Der Aufgang zur Burgruine


Die Reste des Turmes